Selbsthilfe im Wohnungsbau


    Bei individueller Selbsthilfe1 (...) handelt es sich meist um die Verbesserung oder Erweiterung der eigenen Wohnung2 (...). Bei der weiterführenden Selbsthilfe durch organisierte Basisgruppen 3 (...) werden die neuen Wohneinheiten gleichzeitig und gemeinsam von angelernten Selbstbautrupps errichtet und erst nach Fertigstellung zugeteilt (durch Verlosung oder nach geleisteten Baustunden).“4



    Entstehung der Selbsthilfe im Wohnungsbau in den Entwicklungsländern



Die Diskussion der Selbsthilfe für den Bereich Wohnungsbau in der dritten Welt begann bereits Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre mit der einsetzenden Landflucht und Konzentration der meist armen Wohnbevölkerung, die in den Städten Arbeit zu finden hofften. So entstanden Armenviertel um die Städte mit meist selbstorganisierten Behausungen, die nicht offiziell genehmigt, d.h. illegal waren.

Die Politiker versuchten die neuen Entwicklungen vor der Öffentlichkeit totzuschweigen und reagierten mit Vertreibung und Ignoranz der illegalen Siedlungen, was z. B. bedeuten konnte, daß solche Armenviertel nicht auf den Stadtplänen zu finden waren, geschweige denn eine Beschilderung oder Straßen dorthin führten.

In Deutschland beginnt die Diskussion über Selbsthilfe in den Entwicklungsländern erst Ende der 70er Jahre.5

Das BMZ geht davon aus, daß in unserem Jahrzehnt 2/3 des Bevölkerungszuwachses auf die Städte entfallen werden6, d.h. im Jahr 2000 wird mit 2 Milliarden Menschen die Hälfte der gesamten Bevölkerung der 3.Welt in Städten wohnen, wobei jetzt schon in einzelnen absoluten Großstädten über 70% der Menschen in Armenvierteln leben.7

Aus der Sicht der deutschen Bundesregierung (1986) ist „die Wohnungsversorgung Gegenstand der nationalen Politik.(...)“ in Entwicklungsländern, d.h. sie gestaltet „die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen (...).“8



Da Selbsthilfe- Konzepte den Betroffenen die Lösung ihrer Probleme selbst überlassen und lediglich als Beruhigungsmittel bei der Bekämpfung von Symptomen fungieren können, werden sie als ideologischer Bluff und Teil einer neuen imperialistischen Strategie abgelehnt.“9

Somit ist nach Walger der Wohnungsbau in Selbsthilfe „vor allem Ausdruck politischer und wirtschaftlicher Motive, sowie sozialer, moralischer und ideologischer Überzeugungen“10. Staatsregierungen fördern gerne Selbsthilfeaktivitäten, da dem Image des Staates die Rolle des Partners bei der Wohnungsversorgung dienlich ist. Dadurch kann gleichzeitig geschickt von ihm als Mitverursacher der Wohnungsnot abgelenkt werden.11 Andererseits kann

Eine Verschlechterung der Wohn- und Lebensverhältnisse kann soziale Unruhen auslösen. Gerade in Zeiten schnellen gesellschaftlichen Wandels, (...), werden häufig Regierungen von der Bevölkerung nach ihrer Fähigkeit beurteilt, eine angemessene Wohnungsversorgung zu gewährleisten.“12

Dies erklärt auch, warum gerade dem Wohnungsbau in der Entwicklungshilfe ein besonderes Interesse und Engagement der verschiedenen gesellschaftlichen Interessensgruppen , wie politische Parteien, Kirchen etc. gilt. Während deutsche private Hilfsorganisationen, wie z.B. die eze „eine Vernetzung der ausländischen Partner“, Unterstützung zur „Stimmerhebung der Armen“13 leisten, strebt eine staatliche Unterstützung wohl eher eine Befriedung der Bevölkerung des jeweiligen Landes dar, so daß wirtschaftliche Transaktionen ohne Störungen abgewickelt werden können.

Eiferer verklärten in der akademischen Diskussion Selbsthilfe als Wunderwaffe zur Befreiung aus den Fesseln der Armut, während sie in der praktischen Politik gern als Vokabel zur Rechtfertigung der eigenen Untätigkeit benutzt wird.“14



    Turners theoretische Grundlagen des Wohnungsbaus in der 3. Welt

Der Architekt und Stadtenwicklungsplaner Turner15 , der in den 60er Jahren für die Regierung Perus arbeitete, gilt als prägend16 in der Diskussion um den Wohnungsbau in Selbsthilfe.

Turner nutzt den aus großer Not heraus begonnen illegalen Bau von Hütten in Selbsthilfe durch die Armen, um deren Aktivitäten als die Lösung ihrer Wohnungslosigkeit anzupreisen. Er forderte die Unterstützung der Selbsthilfe mit geringer staatlicher Unterstützung unter dem Motto „Freiheit zum Bauen“, und der Begründung: “Die Bewohner kennen selbst am besten ihre Bedürfnisse.“17

An Hand dieses Leitgedankens sollten dann mit dem Wohnungsproblem gleichzeitig weitere soziale Probleme gelöst werden. Die aus einer Not heraus und nicht einer freien Entscheidung folgend selbstorganisierten Siedlungen („squatter settlements“) wurden zur Patentlösung erklärt. Da klingt vorstehendes Motto wie ein Hohn den Betroffenen gegenüber.18

Ein weiteres Argument für Selbsthilfe, mit dem ich im Projekt OR.VI.PO. auch konfrontiert war, nennt Turner:

(...) Mängel und Unvollkommenheiten im eigenen Wohnen sind viel tolerierbarer, wenn sie in die eigene Verantwortung fallen und nicht in die eines anderen.“19

Das Problem bei Projekten im Rahmen von Entwicklungshilfe kann leicht sein, daß die Bewohner in eine Nehmerhaltung in Bezug auf die Erhaltung ihres hauptsächlich mit Spendenmitteln finanzierten Eigenheimes fallen, bzw. schlicht das Geld für die bauliche Unterhaltung fehlt.

Der Bau von Häusern und Wohnungen hat durchaus auch Auswirkungen auf die Wirtschaft, da nach Turner ein hauptsächlich von zukünftigen Bewohnern geplantes und verwaltetes Hausbauprojekt einen positiven Einfluß auf das Wohlbefinden eines jeden Einzelnen und das Gemeinwesen insgesamt hat und dies dann wiederum der allemeinen Wirtschaft zu Gute kommt. Kurz gesagt, arbeitetet ein Arbeiter oder eine Arbeiterin besser, wenn er oder sie ein nach den eigenen Wünschen gestaltetes Zuhause hat, in dem sie sich und die Familie wohl fühlen. 20

Einige der Vorschläge Turners zum Hausbau in Selbsthilfe finden sich zusammengefaßt bei Steinberg21:

  • weitgehende Autonomie für die Bewohner bei den Entscheidungen zu ihrem Wohnungsbau, vor allem im Hinblick auf Planung und Durchführung.

  • Die öffentlichen Gelder sollen mit Hilfe demokratischer Entscheidungen der Betroffenen verteilt werden.

  • Der Bau soll als „Prozeß“ für den Erbauer erlebt werden

  • Die eigene Wohnung soll gleichzeitig Mittel zur Befriedigung anderer Bedürfnisse sein22

  • Hausbau als „persönlicher Aufstieg“ in der Gesellschaft

  • Hauptteil der Finanzierung über die Ersparnisse der Bevölkerung

  • Möglichst hohe Beteiligung der Bevölkerung, da mit steigender Beteiligung entsprechend mehr unliebsame Entscheidungen akzeptiert werden.


Steinberg kritisiert - wie auch Harms - in diesem Zusammenhang, daß sich die Thesen Turners auf die Technik und Organisation beschränken, aber die „allgemeinen Bedingungen des kapitalistischen Entwicklungsweges“ außer Acht lassen.



Turner kritisiert23 die bestehenden Standards zur Beurteilung des Wohnwertes, die nur auf die Qualität der Bausubstanz des Hauses und dessen Ausstattung ausgerichtet sind.

Auch in der Dritten Welt erfolgen Planen und Bauen nach konventionellen Kriterien und funktionalen „Westlichen“ Produktions- und Konsummustern, aber gerade „‘...das Aufzwingen standardisierter Wohnungen auf der falschen Grundlage offiziell angenommener ‘Bedürfnisse’ ist mörderisch“(Turner 1978:82), da die Standards und Normen in der Regel weder den Prioritäten und Bedürfnissen noch den finanziellen Möglichkeiten der Bewohner entsprechen.“24



Für Turner kann der geldliche Wert eines Hauses von dem sozialen Prozeß und dem Wert, der das Haus für die Bewohner und Erbauer durch das Bewohnen für sie bekommt und somit ganz wesentlich zur Lebenserfüllung der Betroffenen beiträgt, nicht getrennt werden. Deswegen ist der „Dienst“ des Wohnens wichtiger, als ein „materieller Standard“.

Fraglich für mich ist, ob Turners Vorschläge der Realität der Armenviertel gerecht werden, wenn er z.B. die zu bauenden Häuser hauptsächlich über die Ersparnisse der armen Bevölkerung finanzieren will. In der Realität werden die meisten Hausbauprojekte hauptsächlich über Darlehen an die Hausbauer finanziert, womit wiederum die Ärmsten unter den Betroffenen ausgeschlossen werden.25

Auch ist Turners Ansatz, daß die Wohnung der Weg sein soll für Erfüllung und die Befriedigung weitergehender Bedürfnisse sehr realitätsfern, wenn es dahingehend interpretiert wird, daß mit einem Dach über dem Kopf alle Probleme gelöst seien und der Mensch glücklich ist, bzw. glücklich zu sein hat.

Walger bezeichnet26hauptsächlich Turners Thesen als stellvertretend für die „pragmatisch-reformistische Sicht“ der Lösung des Wohnungsproblems mit Hilfe der Selbsthilfe und damit einhergehend die „politische Emanzipation der Armen“ und deren sozialer Wandel27.

    Wohnungsversorgung - und weiter?



(...) Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Straßenbau, Elektrifizierung und Müllabfuhr - stellen bei weitem die größte Belastung für die Selbsthilfe dar. (...) Gerade hier jedoch ist die gemeinschaftliche Selbsthilfe unabdingbar, solange die Kommune diese notwendigen Infrastrukturmaßnahmen nicht selbst unternehmen kann oder will.“28



Die „Wohnungsversorgung“ bedeutetet nicht nur, individuell eine Behausung zu haben, sondern dazu gehört in einem Gemeinwesen, wo meist viele Menschen auf engem Platz zusammenleben, die Bildung einer sozialen Gemeinschaft und eine Infrastruktur. Die Infrastuktur besteht dann mindestens aus Frischwasser (z.B. für mehrere Häuser gemeinsam und selbstorganisiert wie im Barrio Guadalupe29), Abwasser (besteht z.B. im Barrio Guadalupe nur aus offenen Gräben vor den Häusern), Straßen oder Wegen und Müllentsorgung.

Gerade diese eigentlich originären Aufgaben kommunaler Verwaltung lassen sich nur schwer wegen der Arbeitskraft, fehlender schneller und sichtbarer Erfolgserlebnisse und fachlicher Kompetenzen und vor allem der nötigen Finanzen bei den heutigen Standards 30 zusätzlich zum Bau der eigenen Hütten organisieren und in gemeinschaftlicher Selbsthilfe von den Bewohnern errichten. Die Erbauer sind deswegen auf die Zusammenarbeit mit der Stadtregierung angewiesen, was gerade bei illegalen Siedlungen fast unmöglich sein dürfte. Zur Infrastruktur kommen dann noch soziale Einrichtungen, wie Gemeinschaftsgebäude, Krankenstation, Schule oder ein Kindergarten.

Für die deutsche Bundesregierung zählt nicht nur der reine Bau von Wohnungen zur „Verbesserung des Wohnumfeldes“, sondern auch die „Unterstützung von Bewohnerorganisationen, Herstellung von Rechtssicherheit im Fall von ungeklärten Besitzverhältnissen sowie“ 31 die Bildung von Arbeitsplätzen. Weitere Erläuterungen für eine Umsetzung werden allerdings in diesem Zusammenhang nicht gemacht.

Für die eze ist das Hauptziel bei Projekten des „Wohnungsbaus in Selbsthilfe“ die Ausbildung der Bewohner und die Förderung des Kleingewerbes, wobei geklärte Besitzverhältnisse für das Baugrundstück und sauberes Wasser bereits die Grundbedingungen für eine Projektunterstützung überhaupt sind.32



    Organisationen, die Wohnungsbau in der Entwicklungshilfe fördern



    Internationale staatliche Organisationen



Auf internationaler Ebene ist der bedeutendste Träger für die „technische Zusammenarbeit“ eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, die UNCHS-Habitat33. Sie hat ihren Sitz in Nairobi und arbeitet hauptsächlich mit den nationalen Regierungen im Rahmen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (NDP) zusammen. 34

Erst seit 1972 unterstützt die Weltbank als wichtigster Finanzier Projekte der Wohnungsversorgung35. Die Selbsthilfe im Wohnungsbau wurde „Sites-and-Services“ Projekt genannt und besteht aus der „Parzellierung von Grundstücken und (der) Erschließung mit Basisinfrastruktur, gelegentlich auch die Errichtung einer Naßzelle oder eines ausbaufähigen Kernhauses (...).“36

1975 kamen dann noch die „Settlemant Upgrading“ Programme hinzu, die der Verbessserung bereits vorhandener Stadtteilstrukturen dienen.



Den Bau eines Projektes der Selbsthilfe gefördert und organisiert von der WELTBANK konnte ich 1994 in Reconquista/Argentinien vor den dortigen Parlamentswahlen über mehrere Monate beobachten. Täglich wurden statt der zukünftigen Bewohner städtische und andere Arbeiter mit dem Bus herangefahren, um die Häuser vor den Wahlen in einem Rekordtempo im ärmsten Armenviertel Reconquistas zu erbauen. Der schwerwiegende infrastrukturelle Fehler war jedoch bei diesem Projekt, daß die Häuser direkt neben den alten Hütten im Überschwemmungsgebiet des Flusses Parana gebaut wurden. Nach Aussagen von Einheimischen erreicht das Hochwasser selbst den kleinen Damm, auf dem die neuen Häuser erbaut wurden.



    (Deutsche) staatliche Organisationen



Erst Mitte der 70er Jahre begann die BRD die Unterstützung der Wohnungsversorgung in der dritten Welt. Seit den 80'ern wird über die GTZ „integrierte Wohngebietsförderung“ geleistet mit den folgenden Schwerpunkten:

  • Bildung einer Bewohnerorganisation

  • Legalisierung des Bodenbesitzes

  • Einführung von Basisinfrastruktur, bzw. Verbessserung der Infrastruktur durch organisierte Selbsthilfe

  • Bau kommunaler Einrichtungen

  • Beschäftigungsförderung im kleingewerblichen Bereich

  • Verbesserung der Bausubstanz und Erstellung von Wohnraum in Selbsthilfe37



Seit Mitte der 60er Jahre vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als „Entwicklungsbank des Bundes“ im Auftrag der Bundesregierung zinsgünstige Darlehen und Zuschüsse in diesem Bereich vorrangig für „integrierte Projekte der Wohnungsversorgung“. als einem ihrer Arbeitsschwerpunkte. Dies läuft dann unter Finanzieller Zusammenarbeit (FZ) mit dem Zweck der „Förderung des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts der Länder der Dritten Welt“38. Die Rechtsform der 1948 gegründeten KfW ist die Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Projektanträge und Verhandlungen laufen im Gegensatz zu den NRO’s auf Regierungsebene.



    Die Zusammenarbeit der bundesdeutschen Regierung mit den nicht-staatlichen Organisationen (NRO’s)



Die Selbsthilfeförderung hingegen überläßt oder delegiert die deutsche Bundesregierung bei Kostenübernahme lieber den NRO’s (Nichtregierungsorganisationen), die einen direkteren Kontakt zu den Betroffenen haben. Das BMZ übernimmt dabei bis zu 75% der Projektkosten. Selbst die staatlichen Entwicklungshilfeorganisationen gtz und KfW streben in Zukunft eine vermehrte Zusammenarbeit mit den vor Ort ansässigen nicht-staatlichen Organisationen an. 39

Besondere fachliche Kompetenzen in der Unterstützung von Selbsthilfegruppen bei der Wohnungsversorgung haben die kirchlichen Hilfswerke Misereor und EZE sowie DESWOS entwickelt.“40



    Ein Beispiel für Nichtstaatliche Entwicklungshilfe: DESWOS - Die Hilfsorganisation der bundesdeutschen gemeinnützigen Wohnungswirtschaft



1969 wurde DESWOS von Unternehmen und Verbänden der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft gegründet, zur „Verbreitung des Gedankens der solidarischen Selbsthilfe im Wohnungsbau für einkommensschwache Schichten in den Entwicklungsländern.“41 Finanziert wird die Arbeit der DESWOS von den Mitgliedsgeldern des Gesamtverbandes der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft, zehn Regionalverbänden und über 300 gemeinnützigen Wohnungsunternehmen. und Beratungsleistungen für Hilfsorganisationen. Der Arbeitsschwerpunkt liegt bei der Unterstützung von „Niedrigkosten-Wohnungsprojekten“, die eine Größe von 30 bis 250 zu erbauenden Häusern haben.



    Weitere Beispiele für nichtstaatliche Entwicklungshilfe: Die evangelische und katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe (eze und Misereor)



1962 bot die damalige Bundesregierung den beiden großen Kirchen staatliche Gelder für die kirchliche Entwicklungshilfearbeit an. Daraufhin gründeten die beiden Kirchen für die Verwaltung der Gelder die EZE (Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e.V.) und die Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe, welche bei Misereor integriert ist.

Misereor

Das katholische Hilfswerk Misereor ist das Pendant zum Evangelischen „Brot für die Welt“. Misereor42 selbst führt keine Projekte durch, sondern unterstützt mit Geld und Beratung örtliche Initiativen. Die Projekte werden von den Partnern in eigener Verantwortung geplant und durchgeführt“43.

Besonderen Wert legt Misereor bei Wohnbauprojekten als Beitrag zum Prozeß des sozialen Wandels“44 auf eine umfassende Planung des Gemeinwesens, d.h. gefördert wird der Hausbau in der Regel nur in Verbindung z.B. mit Ausbildungsprogrammen für Mitglieder von Kooperativen und Selbsthilfegruppen, Stärkung der Organisation der Bewohner, und Rechtshilfeprogramme45, die das Ziel haben, die Grundstückstitel der Siedler zu sichern“46

Misereor arbeitet (1996) z.B. bei der Finanzierung projektbegleitender Sozialarbeit eng mit der holländischen Hilfsorganisation CEBEMO zusammen.

EZE (jetzt integriert in: eed)

Die EZE (Evang. Zentralstelle für Entwicklungshilfe e.V.) in Bonn, unterstützt mit Geldern der Bundesregierung - in (Partei-) politischer Unabhängigkeit - Projekte von Kirchen und christlichen Organisationen in Ländern der Dritten Welt, wobei Planung und Durchführung bei den Partnerorganisationen liegen. Diese sind Kirchen und ökumenische NRO’s. Als Grundlage für eine Projektunterstützung müssen „gefestigte Strukturen“ innerhalb des Trägers vorhanden sein. Vom ersten Brief einer Antragstellung durch den ausländischen Träger bis zu einer Genehmigung vergehen in der Regel ca. eineinhalb Jahre, in denen bewußt die Ernsthaftigkeit eines Projektes erprobt wird.

Als Voraussetzungen für die Unterstützung eines Hausbauprojektes müssen Kopien der Titel für die Landschenkungen gesendet werden, als Beweis, daß der Grund für den Hausbau der/dem zukünftigen HausbesitzerIn übertragen wurde. Als finanzielle Eigenleistung muß der Erbauer/die Erbauerin und Familie 10% vom Mindestlohn zur Verfügung stellen. Während ein geplantes Projekt vor einer Bewilligung vor Ort durch die eze nicht besichtigt wird, müssen während der Durchführung halbjährliche Tätigkeitsberichte geschrieben und der eze als Geldgeber zugesendet werden. Zusätzlich prüft ein Wirtschaftsprüfer vor Ort die Projekte.47 Im Jahre 1995 werden von der eze u.a. in Reconquista die große überregionale katholische Laienorganisation INCUPO und die Organisation FUNDAPAZ (Hilfsorganisation für Eingeborene) finanziell unterstützt. Auch wurde zur damaligen Zeit noch die Organisation SEHAS48 in Cordoba, die Hausbauprojekte Koordiniert und begleitet, finanziell von der eze unterstützt.




Zuletzt geändert: 25.05.2004, 23:42:52

1esfuerzo propio

2Oder auch der Bau kompleter Häuser, wie bei dem in dieser Arbeit behandelten Hausbauprojekt der OR.VI.PO: im Barrio Guadalupe in Reconquista/Argentinien.

3ayuda mutua

4Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) (Hrsg.), „Länderheft ‘Aus der Arbeit der GTZ’ Argentinien, Eschborn 1991, S.18 und vgl. Körte, A. in: „Habitat Abschlußbericht Band 2“ Interdisziplinäres Forschungsprojekt der Philipps-Universität Marburg und TH Darmstadt, Marburg 1991 ab S.49 ff und vgl. Köstlin, Francisco u. Köstlin, Ana C. de : „El Proyectto Sakerti, una experiencia ecuménica“ Consejo Mundial de Iglesias, Ginebra/Schweiz 1982 S. 89

5vgl. Mathey, K. „Pubel Arbeitspapier 82/3“, TH Darmstadt Fachgebiet Planen und Bauen in Entwicklungsländern, Darmstadt 1982 S.13

6Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), „Entwicklungspolitik - Jahresbericht 1995“ Bonn, 1996 S.10

7Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Gemeinsam für die Eine Welt“, Bonn 1996 S. 30

8Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S. 8

9Walger, C. in „Selbstbestimmt und solidarisch“ Saarbrücken 1990 S.222

10Walger, C. in „Selbstbestimmt und solidarisch“ Saarbrücken 1990 S.223

11In Argentinien konnte ich erleben, wie die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum gerade vor Wahlen eine großes Gewicht hatte.

12Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S. 17

13Gedächtnisprotokoll des Gesprächs mit zwei Referenten der eze in Bonn am 12.04.96

14Ziss/Kotowski-Ziss: „Baumaterialien und Selbsthilfe“ Saarbrücken 1986 S.28

15Harms in Trialog, Darmstadt 1/83

16Walger, C. in „Selbstbestimmt und solidarisch“, Saarbrücken 1990 S.224

17Walger, C: in „Selbstbestimmt und solidarisch“, Saarbrücken 1990 S.226

18vgl. Harms in Trialog, Darmstadt 1/83 S.9

19Ward, Colin in Turner, John F.C. „Verelendung durch Architektur“ Reinbeck 1978 S. 8

20vgl. Turner, John F.C. in „Verelendung durch Architektur“ Reinbeck 1978 S. 8

21Steinberg in Pohl Hsg. “Grundbedürfnis-strategie- Wohnen in der Dritten Welt“ Heft 6/84 Kiel S. 36-37

22Gemeint ist hier eine Art „Ersatzbefriedigung“ für Dinge, die sich die Betroffenen nie leisten werden können, da sie vor allem nicht die heutzutage nötigen Geldmittel besitzen.

23Walger, C. in „Selbstbestimmt und solidarisch“ Saarbrücken 1990 S.225

24Walger, C. in „Selbstbestimmt und solidarisch“ Saarbrücken 1990 S.225

25vgl. Mathey, K. „Pubel Arbeitspapier 82/3“, TH Darmstadt Fachgebiet Planen und Bauen in Entwicklungsländern, Darmstadt 1982 S.16

26Walger, C. in „Selbstbestimmt und solidarisch“ Saarbrücken 1990 S.222

27Walger, C. in „Selbstbestimmt und solidarisch“ Saarbrücken 1990 S.222

28Körte, A. in: „Habitat Abschlußbericht Band 2“ Interdisziplinäres Forschungsprojekt der Philipps -Universität Marburg und der TH Darmstadt, Marburg 1991 S.51

29Armenviertel, in dem die Hausbauorganisation ist, die der Arbeit als Beispiel dient

30vgl. Körte, A. in: „Habitat Abschlußbericht Band 2“ Interdisziplinäres Forschungsprojekt der Philipps -Universität Marburg und der TH Darmstadt, Marburg 1991

31Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ, Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S. 10

32Gedächtnisprotokoll des Gesprächs bei der eze am 12.04.96

33United Nations Centre for Human Settlements

34vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S.18

35Shelter

36Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S.20

37Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S.22

38Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S.47

39vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S.23

40Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S.23

41Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S. 75

42Gerade mit Misereor hatte ich mehrmals versucht, Kontakt aufzunehmen, die aber nicht in der Lage waren, mir Zeit einzuräumen. Auch konnte mir kein Material zur Verfügung gestellt werden, obwohl gerade diese Organisation besonders interessant für eine Befragung gewesen wäre, da viele Projekte in Reconquista, insbesondere im Barrio Guadalupe, von Misereor in den 80er Jahren unterstützt und meist nicht fertiggestellt wurden.

43Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S.63

44Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S.64

45Gerade diese „Rechtshilfeprogramme“ haben zur Zeit in Argentinien eine Schlüsselfunktion für die Kirche und ihren Einfluß. Brisanterweise wurde im Projekt OR.VI.PO. zur Zeit meiner Mitarbeit ein Übertreten der Organisation in die örtliche Caritas und ein Abtreten der Grundstücke der Betroffenen an dieselbe geplant. Dies stellte die Caritas als juristische Person als Bedingung für eine Schirmherrschaft für die Fortsetzung und Vollendung des Hausbauprogrammes (12 Häuser)

46Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986 S.64

47vgl. Gedächtnisprotokoll des Gespräches mit zwei Referenten der eze am 12.04.96 in Bonn und vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Wohnungsversorgung und Selbsthilfe“, Bonn 1986

48Servicio Habitacional y de Acción Social (SEHAS) und C.E.V.E (Centro Experimental de la Vivienda Económica) werden getragen von A.V.E. (Asociación Vivienda Económica). AVE wiederum ist eine private Vereinigung ohne Gewinnorientierung, die 1967 in Cordoba/Argentinien gegründet wurde.