Arbeitslosigkeit, Bildung und medizinische Versorgung


    Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

(...) Unruhen als Folge der Umsetzung von sozial unausgewogenen Strukturanpassungen (u.a. in Argentinien, (...)) erschütterten erneut bedeutende Teile der Dritten Welt.“1

Ein weitgehender Schutz für die argentinischen Arbeiter bezieht sich ebenso wie die offiziellen Arbeitslosenzahlen nur auf den Prozentsatz der Bevölkerung, der mit Arbeitsverträgen und Einbezahlung in die Sozialversicherungen arbeitet. In der Arbeitslosenstatistik werden nur „erwerbslose Personen, die bei einem Arbeitsamt als Arbeitsuchende registriert sind“2, erfaßt. Die offizielle Statistiken erfassen allerdings ohnehin nur einige Städte und nicht das gesamte Land. Die deutsche „Bundesstelle für Außenhandelsinformation“ (BfAI) sieht im Jahr 1995 ein Ansteigen der Arbeitslosenquote in Argentinien auf 17,4 % im Vergleich zu 1994 mit 11,5 % 3(ohne weitere Quellenangabe!). Laut einem Artikel der Frankfurter Rundschau liegt die Arbeitslosigkeit nach offiziellen Daten Ende Juni 1996 mit 17 % gleich hoch wie im Vorjahr, als Präsident Menem „mehrere hunderttausend Arbeitsplätze schaffen“ wollte.4

Insider sehen die tatsächliche Erwerbslosigkeit weit über der offiziell registrierten Quote. Sie befürchten, daß 1995 etwa 40 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung ohne Erwerbstätigkeit sein werden.“5

Der hohe Anteil der „GelegenheitsarbeiterInnen“, bzw. der unterbeschäftigten Personen, die meist in den Armenvierteln leben, wird von den offiziellen Statistiken nicht erfaßt, so daß dann solche „traumhaften“ Arbeitslosenquoten für Argentinien von 12% zustande kommen. Von den Arbeitslosen selbst kommen nur „ca. 15 Prozent in den Genuß von Leistungen der erst seit kurzem bestehenden Arbeitslosenversicherung.“6 Gleichberechtigung der Frau sieht auf dem Papier als Errungenschaft der ArbeiterInnen auch gut aus, aber in der Realität sind vor allem die Frauen die Benachteiligten, wenn sie für sehr geringe Löhne und ohne jegliche soziale Absicherung als Haushaltshilfen bei den Familien der Oberschicht arbeiten.



Medizinische Versorgung

Die „die hohe Kindersterblichkeit und die unzureichende (Gesundheits-) Versorgung im Landesinnern“ 7 kann als prekär bezeichnet werden. 1980 gab es für die argentinische Bevölkerung insgesamt nur 150.000 Krankenhausbetten. 1984 kamen im Landesdurchschnitt auf einen Arzt 377 Einwohner und 1987 kamen 278 Einwohner auf einen Arzt8. Eine andere Quelle spricht jedoch von 340 Einwohnern/Arzt für das Jahr 1992 und setzt Deutschland in Vergleich mit 324 Einwohner auf einen Arzt9. Ein möglicher Grund für die unterschiedlichen Zahlen könnten verschiedene Bezugsgrößen bei der Schätzung der Gesamtbevölkerung und bei der Anzahl der Ärzte (Allgemeinärzte, Zahnärzte, Fachärzte) sein.

Es „(...) bestehen teilweise erhebliche Unterschiede im Niveau der medizinischen Versorgung zwischen den Städten, insbesondere Buenos Aires und den ländlichen Regionen (...).“10

Die Anzahl der Ärzte und der Krankenhausbetten im argentinischen Bundesdurchschnitt schönen die medizinische Versorgungslage auf dem Land, da alleine die Hälfte der Ärzte in Buenos Aires praktiziert11. Da hilft es den Kranken auf dem Land auch wenig, daß der Aufenthalt in staatlichen Krankenhäusern kostenlos ist.



Bildungssystem



Argentinien hat eines der am besten ausgebauten Bildungssysteme Südamerikas. Die Analphabetenrate betrug 1990 4,7 % bezogen auf die Bevölkerung von 15 Jahren und mehr. Bei der älteren Bevölkerung liegt sie bei ca. 13 %.“12

Auch bei der Bildung besteht ein erheblicher Unterschied zwischen der Stadt und dem Land: während der schulpflichtigen Altersstufe von 6-14 Jahren beenden den siebenjährigen Grundschulbesuch auf dem Land nur 52 % der SchülerInnen, wenn sie überhaupt zur Schule gehen.13




Zuletzt geändert: 25.05.2004, 23:53:26

1Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: „Gemeinsam für die eine Welt“, Bonn, 1994 S.69

2Statistisches Bundesamt (Hrsg.): „Länderbericht Argentinien 1992“ Wiesbaden 1992 S.38

3vgl. Bundesstelle für Außenhandelsinformationen: „Nachrichten für Außenhandel: Beilage „bfai Länderreport März 1996 Argentinien“

4Artikel von Romeo Rey in der Frankfurter Rundschau vom 02.07.96

5Deutscher Sparkassenverlag: „Ländermerkblatt 8/95 Argentinien“ Stuttgart 1995

6Deutscher Sparkassenverlag: „Ländermerkblatt 8/95 Argentinien“ Stuttgart 1995

7Munzinger-Archiv „Internationales Handbuch-Länder aktuell“ 26/95 Ravensburg 1995 S.2 „Soziales und Kultur“

8vgl. Statistisches Bundesamt, „Länderbericht Argentinien 1992“ Wiesbaden 1992 S. 29

9vgl. Harenberg, „Harenberg Länderlexikon ‘94/95“ S.112

10Statistisches Bundesamt, „Länderbericht Argentinien 1992“ Wiesbaden 1992 S. 29

11vgl. Munzinger-Archiv „Internationales Handbuch-Länder aktuell“ 26/95 Ravensburg 1995 S.2 „Soziales und Kultur“

12Munzinger-Archiv (Hrsg.): „Internationales Handbuch-Länder aktuell“ 26/95 Ravensburg 1995 S.3 „Soziales und Kultur“

13vgl. Munzinger-Archiv „Internationales Handbuch-Länder aktuell“ 26/95 Ravensburg 1995 „Soziales und Kultur“